Geschäftsstelle

GAIMH
c/o IFEF
Hernalser Hauptstrasse 15/2/9
A - 1170 Wien

Schreiben Sie uns
info@gaimh.org

Über Uns

GAIMH - Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit

Die GAIMH setzt sich ein für die Förderung seelischer Gesundheit in der frühen Kindheit sowie für die Vermeidung und Früherkennung von Fehlentwicklungen.

Vorträge

Freitag, 12. Februar 2021

„Die Bedeutung der Affektregulierung und des frühen Schamerlebens“, Prof. Dr. Eva Rass

Der breit gefächerte Wissenszuwachs der letzten 60 Jahre lässt strukturelle Sequenzen im Entwicklungsverlauf wahrnehmen, mithilfe derer die Komplexität der menschlichen Entwicklung konzeptuell erfasst werden kann. In den frühen Entwicklungsjahren ereignen sich Entfaltungsprozesse, die sich in ihrem Ablauf in Phasen darstellen. Durch die auftauchenden adaptiven selbstregulatorischen Strukturen und Funktionen eröffnen sich qualitativ neue und komplexe Interaktionen zwischen dem Menschen und seiner Umgebung. Die Selbstregulation ist mit der Affektregulation verknüpft und beide regulatorischen Prozesse sind in ein Bindungsgeschehen eingebettet. Diese Ereignisse sind in der Frühzeit des Menschen prägend und dennoch besteht eine spezifische Plastizität, die die Möglichkeiten für spätere Veränderungen bewahrt. Der evolutionäre Mechanismus der Herstellung einer Bindungsbeziehung, die in sozial-emotionale Kommunikation eingebettet ist, ermöglicht die Reifung der Affekte, und der Erwerb von Anpassungsfähigkeit für die Selbstregulation von Affekten stellt das Schlüsselereignis in der Säuglings- und Kleinkindzeit dar. In dieser vulnerablen und kritischen Phase kommt der funktionellen Wirkungsweise der Scham, die einen früheren entwicklungspsychologischen Ursprung als das Schuldgefühl hat, besondere Bedeutung zu.

Prof. Dr. Eva Rass

  • Analytische Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin,
  • Einzel- und Gruppentherapie,
  • kindzentrierte Familiengespräche,
  • Säugling/Kleinkind-Mutter/Eltern-Psychotherapie,
  • psycho-edukative Beratung, Supervision.

Lehrtätigkeit:

  • Ärztliche Akademie für Psychotherapie von Kindern und Jugendlichen e.V. München,
  • Hochschule Mannheim (Fakultät Sozialwesen),
  • Institut für Analytische Kinder- und Jugendlichen-psychotherapie Heidelberg,
  • Institut für Psychoanalyse und Analytische Psychotherapie Würzburg e. V. Zulassung Gerichtsgutachterin (Familiengericht)  

 

«aacho» - Gruppentherapeutisches Angebot für Schwangere und Mütter mit Säuglingen und Kleinkindern nach einer Fluchterfahrung“, Dr. med. Antonia Stulz-Koller, Lic. phil. Sandra Rumpel

Millionen von Menschen sind weltweit auf der Flucht. Die WHO spricht von einer der grössten Krisen unserer Zeit. Das Wort «Krise» trägt in sich die Möglichkeit einer entscheidenden Wendung. Wir möchten hier ansetzen und meinen, dass diese aktuelle weltpolitische Situation von uns Fachkräften in der Schweiz eine professionelle und menschenwürdige Antwort und einen raschen und unkomplizierten Aufbau verlässlicher Hilfen für diese Menschen erfordert.

Die Verletzlichkeit und die Bedürftigkeit sind bei Müttern, (Klein-)Kindern und Vätern während den ersten Jahren nach der Geburt und ebenso während kritischer Lebensereignisse (wie Migration und Flucht) besonders hoch. Fallen Migration und frühe Elternschaft zusammen, potenzieren sich die hohe Anfälligkeit und die entsprechende Schutz- und Hilfsbedürftigkeit.

Wir stellen Ihnen unser psychotherapeutisches Gruppenangebot "aacho" (= ankommen) vor. Mit unseren Gruppen bieten wir einen Raum an für Begegnungen und erste Hilfe. Zentral ist uns dabei unsere Haltung, welche auf Gleichwertigkeit, Freiheit und Solidarität basiert. Ziele der Gruppen sind der feinfühlige Beziehungsaufbau im Rahmen einer langfristigen prozessorientierten Tragfähigkeit, die Stärkung der psychischen Gesundheit der Kinder und das Unterbrechen der Weitergabe von traumatischen Erfahrungen.

Forschungsergebnisse laufender Studien der ZAHW sowie unsere Konzepte geben Einblicke in den reflexiven Bezugsrahmen unserer Arbeit. Sie erhalten die Möglichkeit, uns Therapeutinnen bei verschiedenen Interaktionen in der Gruppe über die Schulter zu schauen.

Dr. med. Antonia Stulz-Koller

Fachärztin FMH für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie.

Berufliche Schwerpunkte:
Kinder- und Jugendpsychiaterin und Psychotherapeutin, Eltern-Kleinkind-Therapeutin, Supervisorin. Ausbildung in systemischer Therapie, Weiterbildungen in körperorientierten und traumazentrierten Therapieverfahren mit dem Schwerpunkt auf der Behandlung von Säuglingen und Kleinkindern, EMDR-Therapeutin, Hypnotherapie.

Lic. phil. Sandra Rumpel

Eidgenössisch anerkannte Psychotherapeutin für Kinder, Jugendliche und Erwachsene.

Berufliche Schwerpunkte:
Psychotherapie von (Klein)Kindern, Jugendlichen, Familien und Erwachsenen, Eltern-Kleinkindtherapie und entwicklungspsychologische Beratung, Supervisorin und Dozentin. Ausbildung in psychoanalytischer und systemischer Therapie, Weiterbildungen in bindungsorientierten und traumazentrierten Psychotherapieverfahren mit dem Schwerpunkt Kinder und Jugendliche, kultursensitive und ethnopsychoanalytische Ansätze sowie entwicklungspsychologische Beratung in der frühen Kindheit (EPB). EMDR-Therapeutin.

Beide tätig in der Praxisgemeinschaft Arterstrasse und im Verein family-help, Zürich, Schweiz.

www.praxis-arterstrasse.ch

„Der Übergang zur Elternschaft und die Smartphone-Nutzung: Ungünstig für den Beziehungsaufbau oder hilfreicher Draht zur Aussenwelt?“ Dr. phil. Agnes von Wyl

Das Smartphone ist aus unserem Alltag kaum mehr wegzudenken. Smartphones haben wegen ihrer ständigen Verfügbarkeit einen Einfluss darauf, wie wir mit anderen in Kontakt treten. In sozialen Situationen kommt es häufig zu Unterbrechungen durch das Smartphone (technoference); manche Smartphonenutzer/innen tauchen gar so tief in eine Anwendung ein, dass sie für andere kaum mehr ansprechbar sind (immersion). Wie sich diese Prozesse zwischen Eltern und ihren Säuglingen gestalten, ist noch weiterstgehend unerforscht.

Auch wenn das Smartphone für viele werdende Eltern während der Schwangerschaft als wichtiges Hilfsmittel, sich zu informieren, Kontaktpflege und Unterhaltung dient, fragen Mütter und Väter sich, ob und inwiefern ihr Smartphone-Gebrauch einen Einfluss auf ihre zukünftige Beziehung zum Kind haben kann.

Der Übergang, in dem ein Paar durch die Geburt des ersten Kindes zur Familie wird, stellt für Eltern eine grosse Herausforderung dar, die oft als krisenhaft erlebt wird. Für beide Eltern, meistens in besonderem Masse für die Mütter, reduzieren sich in der Postpartalzeit oft die Möglichkeiten für den regelmässigen direkten sozialen Austausch mit Familie, Freunden/-innen und Arbeitskolleg/-innen. Es ist denkbar, dass im Rahmen von postpartalen Belastungen oder dem Wunsch nach Austausch und Kontakt zum sozialen Umfeld der Griff zum Smartphone häufiger wird und es zu Unterbrechungen und Störungen in der Eltern-Kind-Interaktion kommt.

Welche Rolle Smartphones beim Übergang zur Elternschaft spielen, haben wir in unserer Studie «Smart Start» untersucht. Wir fragten, wie oft und wofür Eltern ihr Smartphones vor und nach der Geburt des ersten Kindes nutzen. Im Besonderen interessierte uns aber, ob die Sensitivität der Eltern und somit die Interaktion und Bindungsbeziehung zwischen Eltern und ihren Säuglingen durch die Smartphone-Nutzung beeinflusst wird.

Im Vortrag werden Resultate aus unserer Studie präsentiert und in den Kontext zu bisherigen Forschungs-Ergebnissen gestellt.

Dr. phil. Agnes von Wyl

Professorin für Klinische Psychologie und Leiterin Fachgruppe Klinische Psychologie und Gesundheitspsychologie an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften, Departement Psychologie. Eidgenössisch anerkannte psychoanalytische Psychotherapeutin.

Interessenschwerpunkte: Psychotherapieforschung, Säuglings- und Kleinkindforschung.

„Mit Blick aufs Kind: Zeichen individueller Psychopathologie in den ersten Lebensjahren“ PD Dr. med. habil. Fernanda Pedrina

In Beratungen von Eltern mit ihren Babys oder Kleinkindern sind wir häufig mit „Entwicklungskrisen“ konfrontiert, wobei diese Bezeichnung im fachlichen Umfeld die Konnotation von vorübergehender, mit den situativen Veränderungen verbundener Störung trägt. Krisen also, in denen Eltern und Kind dank ihrer Auseinandersetzung mit dem Problem bald wieder zu befriedigenden Interaktionen zurückfinden. Der günstige Verlauf lässt die Sorge, ob das Kind dadurch beeinträchtigt werde, gar nicht aufkommen. Der Fokus der therapeutischen Intervention bleibt die Interaktion.

Doch wann erwächst aus einer Entwicklungskrise eine chronische Belastung? Wann setzen sich dysfunktionale Interaktionen in den Beziehungen derart fest, dass sie eine Hypothek für die kindliche Entwicklung werden? Welche Eigenschaften von Kind oder Eltern gefährden grundsätzlich einen befriedigenden Beziehungsaufbau? Aus der Autismus-Forschung haben wir die Bedeutung von Früherkennung kindlicher Symptome und Frühintervention gelernt. Neuere Arbeiten lenken die Aufmerksamkeit auf die frühe Symptomatik u.a. bei chronischer Traumatisierung, bei Depression und Angststörungen.

Im Vortrag werden Ausdrucksformen kindlicher Psychopathologie und ihr Beitrag an die Beziehungsproblematik erörtert. Ihre Berücksichtigung in der Behandlung begründet störungsspezifische Interventionen.

PD Dr. med. habil. Fernanda Pedrina

  • Praxis für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Zürich,
  • Supervision,
  • Lehrtätigkeit als Privatdozentin an der Universität Kassel,
  • Dozentin an der ärztlichen Akademie für Kinder- und Jugendpsychotherapie e.V. München (Curriculum Eltern-Kleinkind-Psychotherapie EKP) und an der Internationalen Psychoanalytischen Universität IPU Berlin (Curriculum Eltern-, Säugling- und Kleinkind-Psychotherapie).
  • Vortrags- und Publikationstätigkeit.

www.babyundkleinkind.ch

„Das väterliche Prinzip in der Krise? Aufbau eines triadischen bio-psycho-sozialen Familienraums“ Egon Garstick

Eine wichtige Entwicklungskrise im Leben ist der Übergang vom Paar hin zum Elternwerden. Die Beschäftigung mit diesem Übergang führte zur Elternschaftstherapie und zur Arbeit mit irritierten Vätern, in welche in diesem Referat ein Einblick gegeben werden soll.

In der Pädiatrie und der Kinderpsychiatrie wird von Regulationsstörungen gesprochen. Sehr erschöpfte Eltern, und manchmal auch Fachkräfte im Frühbereich, verstehen diese Diagnose als die Festschreibung eines Defizites beim Kind, was dazu führen kann, dass nicht mehr differenziert angeschaut wird, welche Co-Regulation das Baby im familiären Bezugssystem braucht und finden kann. Die Entwicklung von Selbstregulationskompetenz beim Baby ist davon abhängig, ob in einem triadischen bio-psycho-sozialen Familienraum Affektregulierung erfahren wird. Nicht selten braucht es aber auch die Förderung von mehr Affekttoleranz bei den Eltern, damit Babys und Kleinkinder ihre Affektregulierungskompetenz aufbauen können. Zur Affekttoleranz gehört die konstruktive Verarbeitung von auch ambivalenten Gefühlen gegenüber der neuen Rolle im Leben als Mutter und Vater und gegenüber dem Baby selbst.

Im Referat wird den Fragen nachgegangen, was genau das Wirken des sog. «Väterlichen Prinzips» im Sinne von Triangulierungsprozessen ausmacht, wovon es abhängig ist und wodurch es eingeschränkt bis ganz verhindert werden kann. Auch wird der Versuch unternommen, zu verstehen, wie die aktuellen Verhältnisse in der Corona-Zeit die Triangulierungsprozesse für Familien und ihre Kinder beeinflussen.

Egon Garstick

ist Psychotherapeut ASP/SBAP, akad. grad. Sozialpädagoge, Psychoanalytiker PSZ. Lange Zeit arbeitete er als Psychotherapeut im Zürcher Stadtspital Triemli mit Jugendlichen sowie mit Eltern und Babys. Die in der Stiftung Mütterhilfe Zürich entwickelte Elternschaftstherapie und die sog. Vaterschaftsentwicklungshilfe betreibt er aktuell in der «Arche für Familien» des Vereins Arche Zürich. Supervisor in diversen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Einrichtungen. Schwerpunkte seiner Fortbildungen sind die Themen Elternarbeit für Pädagogik und Psychotherapie, Frühe Kindheit, Adoleszenz und Interdisziplinäre Zusammenarbeit im Interesse einer gesunden bio-psycho-sozialen Entwicklung.

© Gaimh - Gesellschaft für Seelische Gesundheit in der Frühen Kindheit

seit 1996 - 2021 - Impressum | Datenschutz

Geschäftsstelle: c/o IFEF Hernalser Hauptstrasse 15/2/9, A - 1170 Wien
info@gaimh.org

Wir verwenden Cookies, um unsere Webseite für Sie möglichst benutzerfreundlich zu gestalten. Wenn Sie fortfahren, nehmen wir an, dass Sie mit der Verwendung von Cookies auf der GAIMH-Webseite einverstanden sind. Weitere Informationen: Datenschutzerklärung - Cookies
Zustimmen